Digi­ta­le Bil­dung in Nie­der­sach­sen

Die Schu­le hat nach §2 (1) des nie­der­säch­si­schen Schul­ge­set­zes den Auf­trag, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu befä­hi­gen,

  • sich umfas­send zu infor­mie­ren und Infor­ma­tio­nen kri­tisch zu nut­zen,
  • sich im Berufs­le­ben zu behaup­ten und das sozia­le Leben ver­ant­wort­lich mit­zu­ge­stal­ten.

Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert unse­re Gesell­schaft und führt in vie­len Berei­chen zu neu­en Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen, aber auch zu Risi­ken. In der Indus­trie ist sie schon lan­ge All­tag. Unser Bil­dungs­sys­tem muss auf die­se Her­aus­for­de­run­gen reagie­ren um inter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hig zu blei­ben. Schü­le­rin­nen und Schü­ler müs­sen auf einen sou­ve­rä­nen und ver­ant­wort­li­chen Umgang mit digi­ta­len Medi­en vor­be­rei­tet wer­den. Dazu gehört die Nut­zung von End­ge­rä­ten und Infor­ma­ti­ons­quel­len, ein Grund­ver­ständ­nis von Auto­ma­ti­sie­rung und Ver­net­zung, ein Ver­ständ­nis für Zusam­men­hän­ge zu ent­wi­ckeln, sowie eine kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung mit Medi­en. Die Annah­me, dass Jugend­li­che allein durch das Auf­wach­sen in einer digi­ta­li­sier­ten Umwelt auto­ma­tisch zu einem kom­pe­ten­ten Umgang mit digi­ta­len Medi­en befä­higt sind, ist falsch. Digi­ta­le Kom­pe­ten­zen sind als vier­te Säu­le der Grund­bil­dung ana­log zum Rech­nen, Schrei­ben und Lesen zu för­dern und in den Gesamt­kon­text der Bil­dungs­gän­ge ein­zu­ord­nen. Die Schu­le muss eine digi­tal liter­acy sicher­stel­len.

 

SCHLÜSSELQUALIFIKATIONEN DER DIGITALEN BILDUNG

Durch den digi­ta­len Wan­del in der Arbeits­welt gewin­nen Softs­kills und über­fach­li­che Kom­pe­ten­zen wie Team­fä­hig­keit, Eigen­ver­ant­wor­tung, Krea­ti­vi­tät, ganz­heit­li­ches Den­ken immer wei­ter an Bedeu­tung. Klas­si­sches Fach­wis­sen ist dank moder­ner Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie leich­ter zugäng­lich gewor­den und nicht län­ger Maß­stab für eine erfolg­rei­che Bil­dungs­kar­rie­re. Nicht das blo­ßes Wis­sen, son­dern Kom­pe­ten­zen müs­sen in Prü­fungs­si­tua­tio­nen abge­fragt wer­den. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Kon­se­quen­te Umset­zung kom­pe­tenz­ori­en­tier­ter Lern- und Prü­fungs­mo­del­le.

 

QUALITÄTSSICHERUNG IN DER DIGITALEN BILDUNG

Die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz und das Insti­tut zur Qua­li­täts­si­che­rung im Bil­dungs­we­sen haben in den Fächern Deutsch, Eng­lisch, Fran­zö­sisch, sowie den MINT Fächer Mathe, Bio­lo­gie, Che­mie, Phy­sik bun­des­wei­te Kom­pe­tenz­zie­le defi­niert, die regel­mä­ßig durch das IQB über­prüft wer­den. Ein sol­cher gemein­sa­mer Anfor­de­rungs­ka­ta­log muss auch für digi­ta­le Kom­pe­ten­zen ent­wi­ckelt und regel­mä­ßig über­prüft wer­den, um die kon­ti­nu­ier­li­che Wei­ter­ent­wick­lung und Siche­rung der Bil­dungs­er­trä­ge auch in die­sem Bereich zu sichern. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Ent­wick­lung und regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung län­der­über­grei­fen­der Bil­dungs­stan­dards und Kom­pe­tenz­zie­le für digi­ta­le Bil­dung.

 

FACHGRUPPE DIGITALISIERUNG

Digi­ta­le Bil­dung als ganz­heit­li­che, fächer­über­grei­fen­de Auf­ga­be kann nicht in einem ein­zel­nen Schul­fach umge­setzt wer­den. Jede Schu­le braucht eine indi­vi­du­el­le, fach­über­grei­fen­de Abstim­mung und Beglei­tung um schul­ei­ge­ne Pro­zes­se im Bereich der digi­ta­len Bil­dung zu ent­wi­ckeln, beglei­ten und eva­lu­ie­ren. Dies geschieht im engen Aus­tausch mit wei­te­ren Schu­len vor Ort, um gemein­sa­me, regio­nal trag­fä­hi­ge Lösun­gen zu ent­wi­ckeln. Ins­be­son­de­re für die Ver­zah­nung der Struk­tu­ren von Grund­schu­le, Sekun­dar­stu­fe I und Sekun­dar­stu­fe II ist eine abge­stimm­te regio­na­le Pla­nung nötig. Der Schul­trä­ger muss hier­zu ent­spre­chend Leh­rer­stel­len ein­pla­nen. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Ein­rich­tung einer Fach­grup­pe „Digi­ta­li­sie­rung“ an allen nie­der­säch­si­schen Schu­len

 

PFLICHTFACH INFORMATIK

Jeder zwei­te Arbeit­neh­mer sitzt an einem Com­pu­ter­ar­beits­platz, jeder drit­te nutzt (auch) mobi­le End­ge­rä­te. Infor­ma­tik gehört heu­te in vie­len Berei­chen zum beruf­li­chen und pri­va­ten All­tag. In der Schu­le müs­sen Schü­le­rin­nen und Schü­ler ein grund­le­gen­des Ver­ständ­nis für IT-Tech­no­lo­gi­en, elek­tro­ni­sche Daten­ver­ar­bei­tung sowie Medi­en­kom­pe­ten­zen erlan­gen. Dazu sind ins­be­son­de­re grund­le­gen­de Kennt­nis­se mathe­ma­ti­scher und phy­si­ka­lisch-tech­ni­scher Grund­la­gen der Digi­tal­tech­nik nötig. Die Schu­len tra­gen Ver­ant­wor­tung, dass alle schul­pflich­ti­gen jugend­li­chen IT-Bil­dung erhal­ten und so „digi­tal ili­ter­acy“ ver­mie­den wird. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Ein­füh­rung von Infor­ma­tik als Pflicht­fach ab Klas­se 5 an allen Schu­len.

 

AUS- UND FORTBILDUNGEN FÜR LEHRKRÄFTE

Digi­ta­le Schlüs­sel­kom­pe­ten­zen und IT-Kennt­nis­se müs­sen zu einem fes­ten Bestand­teil des Lehr­amts­stu­di­ums und regel­mä­ßi­ger Fort­bil­dun­gen wer­den. Lehr­kräf­te müs­sen zum sou­ve­rä­nen Ein­satz digi­ta­ler Medi­en und Lern­for­ma­te befä­higt sein und Medi­en­kom­pe­ten­zen sowie IT-Grund­la­gen erwer­ben. Damit die Lehr­kräf­te einen nach­hal­ti­gen Ein­blick in die Digi­ta­li­sie­rungs­an­for­de­run­gen der Wirt­schaft erhal­ten, soll­ten Lehr­kräf­te im regel­mä­ßi­gen Dia­log mit der regio­na­len Wirt­schaft ste­hen, um im Lern­kon­text, ins­be­son­de­re an berufs­bil­den­den Schu­len, „auf dem Lau­fen­den“ zu blei­ben. Dies kann zum Bei­spiel in Form von Lern­tan­dems in Koope­ra­ti­on mit den Wirt­schafts­ver­bän­den oder fach­prak­tisch aus­ge­rich­te­ten Fort­bil­dun­gen gesche­hen. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

IT muss, inhalt­lich und metho­disch, als inte­gra­ler Bestand­teil in die grund­stän­di­ge Leh­rer­aus­bil­dung und IT-Fort­bil­dun­gen inte­griert wer­den.

 

Digi­ta­le Unter­richts­me­tho­den

Die Ver­zah­nung tra­di­tio­nel­len Prä­senz-Ler­nens digi­ta­len Metho­den und Inhal­ten ermög­licht ein selbst­stän­di­ges, selbst­ge­steu­er­tes, selbst­ver­ant­wort­li­ches, orts- wie zeit­un­ab­hän­gi­ges und krea­ti­ves Ler­nen. Blen­ded-Lear­ning bie­tet eine unkom­pli­zier­te und schnel­le Chan­ce schul­über­grei­fen­der Koope­ra­tio­nen in Form gemein­sa­mer Kur­se, zum Bei­spiel in Berufs­schu­len und der gym­na­sia­len Ober­stu­fe mit klei­nen Kurs­grö­ßen. Auch über­re­gio­na­le und inter­na­tio­na­le Zusam­men­ar­beit etwa durch gemein­sa­me Pro­jekt­ar­bei­ten inter­na­tio­na­ler Part­ner­schu­len ist mög­lich. Die Schul-Cloud bie­tet die dafür not­wen­di­ge Infra­struk­tur an. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Ein­satz von inno­va­ti­ven Lern­me­tho­den wie blen­ded-lear­ning, für gemein­sa­me Fach­kur­se und koope­ra­ti­ve, schul­über­grei­fen­de Lern­pro­jek­te.

 

NETZANBINDUNG

Für den Ein­satz digi­ta­ler End­ge­rä­te müs­sen Schu­len über eine aus­rei­chend schnel­le Netz­an­bin­dung ver­fü­gen. Die IT-Infra­struk­tur an Schu­len muss dafür aus­ge­legt sein in allen Unter­richts­räu­men und Arbeits­plät­zen dau­er­haft eine zuver­läs­si­ge Inter­net­ver­sor­gung, auch per WLAN, zu garan­tie­ren. Ein Ein­satz der Schul­cloud ist ohne Netz­an­bin­dung nicht mög­lich. Eine Strom­ver­sor­gung in allen Klas­sen­räu­men und Arbeits­plät­zen ist für die Nut­zung mobi­ler End­ge­rä­te im Schul­all­tag Vor­aus­set­zung. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Breit­band­an­schluss und WLAN-Ver­sor­gung für alle Schu­len und Sicher­stel­lung des IT-Sup­ports bzw. der Admi­nis­tra­ti­on.

 

AUSSTATTUNG DER SCHULEN

Schu­len benö­ti­gen neben einer ver­läss­li­chen Netz­an­bin­dung eine wei­te­re Aus­stat­tung mit Hard- und Soft­ware um den Unter­richt effek­tiv zu beglei­ten. Dazu gehö­ren neben Com­pu­tern, Smart-Boards, Bea­mer etc. auch Office-Pro­gram­me, Online-Lern­platt­for­men, die Schul­cloud uvm. Bund, Län­der und Kom­mu­nen müs­sen gemein­sam die Ver­ant­wor­tung für die tech­ni­sche Aus­stat­tung der Schu­len über­neh­men. Die ein­zel­nen Schu­len dür­fen nicht abhän­gig von För­der­an­trä­gen sein.

Schnel­le Umset­zung des Digi­tal­Pakt Schu­le und flä­chen­de­cken­de, bedin­gungs­lo­se Grund­aus­stat­tung der Schu­len durch Bund, Län­der und Kom­mu­nen.

 

NUTZUNG VON MOBILEN ENDGERÄTEN IM UNTERRICHT

Schu­len dür­fen kei­ne ana­lo­ge Insel in der digi­ta­len Gesell­schaft sein: Schü­le­rin­nen und Schü­ler müs­sen im Unter­richt mit mobi­len End­ge­rä­ten, Lap­tops, Tablets arbei­ten kön­nen. Die Schu­len müs­sen dabei sicher­stel­len, dass eine platt­form­über­grei­fen­de Zusam­men­ar­beit mög­lich ist. Nach dem Prin­zip „Bring your own device“ (BYOD) soll­ten Schü­le­rin­nen und Schü­ler pri­va­te mobi­le End­ge­rä­te im Schul­un­ter­richt ein­set­zen kön­nen und Schu­len die dafür not­wen­di­ge tech­ni­sche Infra­struk­tur vor­hal­ten. Für Fami­li­en, denen die Anschaf­fung eines eige­nen Gerä­tes aus finan­zi­el­len Grün­den nicht mög­lich ist, muss es Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­te geben. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Bring your own device flä­chen­de­ckend umset­zen.

 

SCHULCLOUD

Die kon­se­quen­te Umset­zung des Prin­zips „bring your own device“ und digi­ta­le Ver­net­zung der Schu­len erfor­dert die zügi­ge Umset­zung der Schul­cloud. Die Schul­cloud soll Schü­ler, Leh­rer, Eltern, Ver­wal­tung und Schul­trä­ger ver­net­zen, sowie digi­ta­le Unter­richts­ein­hei­ten und Lehr­me­di­en zu Ver­fü­gung stel­len. Erst durch die Cloud wird eine digi­ta­le Schul­ver­wal­tung, zen­tra­le tech­ni­sche Betreu­ung und vor allem die platt­form­über­grei­fen­de, web­ba­sier­te Unter­richts­be­glei­tung mög­lich. Die Schul­cloud stellt sicher, dass BYOD ohne Ein­schrän­kun­gen auf allen Platt­for­men umsetz­bar ist. Han­no­ver IT emp­fiehlt:

Schnel­le Umset­zung der Schul­cloud für alle Schu­len in Nie­der­sach­sen.

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