EU-Urhe­ber­rechts­re­form im Tri­log ret­ten!

Die Unterzeichner*innen sehen die geplan­ten Ände­run­gen zur EU-Urhe­ber­rechts­re­form kri­tisch und befürch­ten, dass die­se geplan­ten Ände­run­gen das Poten­ti­al haben, wesent­li­che Kern­ele­men­te der inno­va­ti­ven, wert­schöp­fen­den Kraft digi­ta­ler Platt­for­men erheb­lich zu beein­träch­ti­gen.

Vor die­sem Hin­ter­grund wen­den wir uns an die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­or­ga­ne der Euro­päi­schen Uni­on, um sich gegen ein restrik­ti­ves Urhe­ber­recht und gegen Upload-Fil­ter aus­zu­spre­chen.

Zahl­rei­che IT-Unternehmer*innen sind auf den Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen über unzäh­li­ge Platt­for­men ange­wie­sen. Zum einen, weil das Inter­net den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch der Kund*innen von IT-Unter­neh­men för­dert, zum ande­ren, weil IT-Unter­neh­men selbst ein erheb­li­ches Wis­sen­spen­sum über Inter­net­platt­for­men bezie­hen.

Das Inter­net bie­tet weit­rei­chen­de Mög­lich­kei­ten für den Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen, Wis­sen und Kunst. Auto­ma­ti­sier­te Fil­ter, wie auch ein Auf­he­ben der Unschulds­ver­mu­tung und die Ein­füh­rung einer manu­el­len Prüf­pflicht wür­den den Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mas­siv ein­schrän­ken.

Wir sor­gen uns ins­be­son­de­re um die Feh­ler­an­fäl­lig­keit mög­li­cher Fil­ter. Zwar sind tech­ni­sche Sys­te­me lern­fä­hig, aber trotz­dem las­sen sich Feh­ler nicht ver­mei­den. Eine Model­lie­rung von Rechts­ver­stö­ßen betrach­ten wir vor die­sem Hin­ter­grund kri­tisch, weil sich „blin­de Fle­cken“ nie aus­schlie­ßen las­sen. Die Fol­ge wäre, dass Sach­ver­hal­te gesperrt wer­den, die eigent­lich legal sind. In der tech­ni­schen Umset­zung besteht zudem die Gefahr, dass dar­über hin­aus tech­ni­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Unzu­läng­lich­kei­ten zu wei­te­ren Fehl­funk­tio­nen füh­ren.

Zudem regt sich unser Wider­stand gegen eine zu stren­ge Prüf­pflicht mit hohem Straf­maß. Die­se könn­te nach Ein­schät­zung der Fach­leu­te zu einer erheb­li­chen Rechts­un­si­cher­heit füh­ren, mit dem Ergeb­nis, dass dadurch im Zwei­fels­fall Infor­ma­tio­nen nicht zuge­las­sen wer­den.

Fer­ner sor­gen wir uns um eine struk­tu­rel­le Benach­tei­li­gung des Mit­tel­stands. Selbst welt­weit füh­ren­de IT-Unter­neh­men haben trotz immenser Res­sour­cen Schwie­rig­kei­ten wirk­sa­me tech­ni­sche Instru­men­te zu ent­wi­ckeln. Wir befürch­ten, dass sich mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men auf­wän­di­ge Ent­wick­lungs­ar­bei­ten und teu­re Lizenz­ge­büh­ren für exter­ne Fil­ter­tools gar nicht leis­ten kön­nen. Wei­ter könn­ten mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men auch kaum eine juris­ti­sche Abde­ckung von zahl­rei­chen anzu­neh­men­den Streit­fäl­len gewähr­leis­ten. Aus unse­rer Sicht wird es dadurch für Start-ups immer schwie­ri­ger mit den eta­blier­ten Akti­en­un­ter­neh­men zu kon­kur­rie­ren.

Auch die in die Dis­kus­si­on gebrach­ten Aus­nah­men für bestimm­te Platt­for­men betrach­ten wir kri­tisch, da es vor dem Hin­ter­grund eines sich schnell ent­wi­ckeln­den Mark­tes fast unmög­lich ist, eine abschlie­ßen­de Lis­te von Platt­for­men zu erstel­len.

Wir appel­lie­ren daher dar­an, dass ein frei­er Infor­ma­ti­ons­aus­tausch sich nicht auf eta­blier­te Platt­for­men beschränkt. Urhe­ber­rech­te sol­len Krea­ti­vi­tät und Inno­va­ti­on för­dern. Wir regen noch ein­mal einen inten­si­ven Aus­tausch zu den Geset­zes­vor­schlä­gen an. Es muss ein ange­mes­se­ner Aus­gleich zwi­schen den Inter­es­sen des Urhe­ber­schut­zes und frei­er Unter­neh­mens- und Dis­kus­si­ons­kul­tur auf Inter­net­platt­for­men gefun­den wer­den.

Unterzeichner*innen:

Wirt­schaft:

  • All­ge­mei­ne Arbeit­ge­ber­ver­ei­ni­gung Han­no­ver und Umge­bung e.V.
  • Han­no­ver IT e.V.
  • Ver­band der Metall­in­dus­tri­el­len Nie­der­sach­sens e.V.
  • Betrei­ber­ge­sell­schaft RegioOn­line mbH
  • Ciphron GmbH
  • pra­e­man­da­tum GmbH
  • Qabel GmbH

Poli­tik:

  • Ste­fan Muh­le, Staats­se­kre­tär im Nie­der­säch­si­schen Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Arbeit, Ver­kehr und Digi­ta­li­sie­rung
  • Dr.-Ing. Alex­an­der Geor­gia­dis, Stab­stel­le Digi­ta­li­sie­rung am Nie­der­säch­si­sches Minis­te­ri­um für Wirt­schaft, Arbeit, Ver­kehr und Digi­ta­li­sie­rung

Wis­sen­schaft:

  • Karo­li­ne Bus­se, Fach­be­reich Usable Secu­ri­ty And Pri­va­cy, Uni­ver­si­tät Bonn, Mit­glied digitalRat.niedersachsen
  • Dr. rer. nat. Ira Diethelm, Didak­tik der Infor­ma­tik, Uni­ver­si­tät Olden­burg, Mit­glied digitalRat.niedersachsen
  • Dr.-Ing. Tibor Jager, Fach­grup­pe IT-Sicher­heit, Uni­ver­si­tät Pader­born
  • Dr. Jörg Schwenk, Lehr­stuhl Netz- und Daten­si­cher­heit, Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum
    • Sc. Den­nis Felsch,
    • Sc. Mar­tin Gro­the,
    • Sc. Sebas­ti­an Lau­er,
    • Sc. Robert Mer­get,
    • Sc. Jens Mül­ler,
    • Sc. Paul Rös­ler.
  • Dr. phil. habil. Kars­ten Weber, Insti­tut für Sozi­al­for­schung und Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung und Labor für Tech­nik­fol­gen­ab­schät­zung und Ange­wand­te Ethik, Ost­baye­ri­sche Tech­ni­sche Hoch­schu­le Regens­burg; Hono­rar­pro­fes­sor für Kul­tur und Tech­nik an der Bran­den­bur­gi­schen Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Cott­bus-Senf­ten­berg.

Zivil­ge­sell­schaft:

  • Digi­tal­cou­ra­ge e.V.
  • SUMA-EV, Ver­ein für frei­en Wis­sens­zu­gang
  • Wolf­gang San­der-Beu­er­mann
  • Frank Kni­schew­ski
  • Joerg Heid­rich, Fach­an­walt für IT-Recht
  • Peter Lep­pelt (Mit­glied digitalRat.niedersachsen)
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